Griffigkeit und Rotation eines Tischtennisbelags

Mein allererster Tischtennisschläger war, wie bei so vielen, günstig im Baumarkt gekauft. Es war ein einfacher, ungriffiger Noppen-Außen Schläger, oder auch Brettchen genannt. Dieser besaß natürlich kaum Griffigkeit, sodass fast keine eigene Rotation möglich war.

Im Schulandheim spielte ich mit meinem bescheidenen Spielgerät gegen einen Klassenkameraden, der einen 5-Sterne Schläger hatte. Dieser war neu und dadurch noch sehr griffig. Für mich war die ankommende Rotation etwas neues, da ich mit meinem Tischtennisschläger nicht einmal annähernd so viel Spin erzeugen konnte. Dadurch hatte ich überhaupt keine Chance und verlor das Spiel deutlich.

Damals folgerte ich daraus die Erkenntnis und allgemein verbreitete Meinung, je griffiger eine Tischtennisbelag ist, desto mehr Rotation kann erzeugt werden. Doch trifft das wirklich zu? Gibt es nicht noch andere Faktoren, die Einfluss auf die Rotation haben? Wie stark abhängig sind die Griffigkeit und Rotation eines Tischtennisbelags wirklich?

Der Einfluss der Griffigkeit auf das Rotationspotential eines Tischtennisbelags

MinimumtonneWie ich schon als kleiner Junge erkannt habe, kann eine mangelnde Griffigkeit die Rotationsfähigkeit eines Tischtennisbelags begrenzen. In dieser Hinsicht fungiert die Griffigkeit des Belags wie eine Minimum-Tonne, wodurch, unabhängig der eigenen Fähigkeiten und sonstigen Faktoren, die Rotationsmitnahme begrenzt wird.

Bei Tischtennisanfängern spielt ein maximaler Grip weniger eine Rolle, da das Leistungslimit durch eine mangelnde Technik sowieso nicht erreicht werden kann. Dennoch zeigt sich, dass jeder Tischtennisspieler, je griffiger ein Belag ist, einfacher Spin erzeugen kann. Um dann einen Belag zu beherrschen und komplett auszureizen, benötigt es einen optimalen Balltreffpunkt. Ist dieser nicht gewährleistet, kann ein rotationsstarker Belag sogar zu mehr Fehlern führen. Wir sprechen da oft von der Spinanfälligkeit eines Belags.

Gehen wir aber mal von einem optimalen Balltreffpunkt und einer optimalen Griffigkeit aus. Im tangentialen Balltreffpunkt gibt es einen optimalen Kontakt, wodurch 100% der Bewegungsenergie auf die Drehung des Balls übertragen werden. Dann beschränkt nun der maximale Armzug eines Spielers die endgültige Rotation.

Die optimale Griffigkeit, also der Punkt an dem kein Spin, etwa durch Durchrutschen oder einen unsauberen Kontakt, verloren geht, ist wiederrum gar nicht so extrem haftend, wie man sich das nun vorstellen könnte.

Technisch gesehen besitzt der Butterfly Sriver, der schon sehr lange auf dem Markt ist, einen optimalen Kontakt zum Ball. Mehr Griffigkeit/Klebrigkeit würde nichts bringen, da die Minimumfaktoren nun der eigene Armzug, die eigene Technik und das Timing des Balltreffpunktes sind. Die weiteren Faktoren sind bei diesen Überlegungen konstant.

Deshalb ist ein klebriger Chinabelag natürlich sehr nützlich, um einfach Rotation zu erzeugen. Aber die Überschreitung der optimalen Griffigkeit bringt keinen weiteren Nutzen hinsichtlich des maximalen Spins.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Griffigkeit eines Tischtennisbelags als Minimum-Tonne fungiert, also den optimalen Output an Rotation begrenzt, aber nur solange der Grip unterhalb der optimalen Griffigkeit eines Belags liegt. Mehr Haftung hat dann keinen Grenznutzen mehr. Eine klebrige Oberfläche erzeugt allerdings auch bei nicht optimalem Balltreffpunkt einfacher Spin, ist dann aber schwieriger zu kontrollieren (Spinanfälligkeit).

Die weiteren Einflussfaktoren

Bei Erreichen des perfekten Grips begrenzen nun andere Faktoren die Rotationsfähigkeit von Tischtennisbelägen. Diese sind:

  • Die Elastizität und Spannung des Obergummis
  • Die Noppenstruktur (Länge, Durchmesser, Abstand)
  • Schwammhärte und Schwamm-Elastizität (Porigkeit)
  • Verwendetes Spielholz
  • Eigene Fähigkeiten und Technik
  • Verwendeter Spielball

Im Detail möchte ich in diesem Beitrag auf die weiteren Einflussfaktoren nicht eingehen, werden diese in späteren Beiträgen noch eindringlicher behandelt.

Fazit

Der offensichtlichste Einflussfaktor auf die Rotation eines Tischtennisbelags, dessen Griffigkeit des Obergummis, ist nur einer von vielen weiteren Faktoren.

Die These: „Je griffiger ein Tischtennisbelag, desto mehr Rotation“ trifft nur bis zum Erreichen der optimalen Griffigkeit eines Tischtennisbelags zu, wodurch der Balltreffpunkt und die Rotationsmitnahme bei maximalem Armzug optimal sind. Griffigere oder klebrige Beläge erzeugen einfacher Rotation, auch bei ungenauem Balltreffpunkt, sind aber schwerer zu kontrollieren.

Der Grip eines Belags fungiert als sog. Minimum-Tonne, hat aber auch eine Grenze nach oben.

Nicht für jeden Spieler ist der griffigste Belag zugleich der perfekte Belag für das eigene Spiel. Schaden kann aber mehr Rotation und Griffigkeit nie. Oder? 😉

2 Gedanken zu “Griffigkeit und Rotation eines Tischtennisbelags

  1. Die Klebrigkeit dient zum zwei-in-eins:
    Wird der Ball nur mit dem Obergummi getroffen, wird der gebremst – ideal für kurz-kurz.
    Wird der geklebte/getunte Schwamm eingeschaltet, wird der Ball stark beschleunigt und katapultiert.
    Man kann der Ball mit einem behandelten klebrigen Belag und entsprechender Technik sowohl gebremst/beschleunigt werden – je nach Bedarf. Dass kann man mit einem griffigen Belag nicht so machen. Auch dient die Klebrigkeit zur Spinmaximierung…

    • Hallo Milan,

      mit einem klebrigen Belag kann nicht mehr Rotation erzeugt werden, als mit einem griffigen Belag. Die maximale Rotation wird dann erreicht, wenn der Ball tangential getroffen optimal mitgenommen wird. Und das tut ein optimal griffiger Belag auch. Also wird keine Spinmaximierung durch die Klebrigkeit erreicht.
      Und sicherlich kann ein erfahrener Spieler im Kurz-Kurz Vorteile mit der klebrigen Oberfläche herausholen. Dennoch sind klebrige Beläge enorm Schnittanfällig. Eine schlechte Anpassung des Schlägerwinkels und ein zu später Balltreffpunkt führen zu einfachen Fehlern.

      Gruß,

      Marcel

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