Der Mythos Tenergy

Tenergy 05
Butterfly Tenergy 05

Wer hatte ihn noch nicht auf dem Schläger? Wer heute vom Material im modernen Tischtennis spricht, wird nicht am Belag Butterfly Tenergy vorbei kommen. Mittlerweile sind acht verschiedene Versionen auf dem Markt erhältlich. Als 2008 nach dem Ende der Frischklebeära noch viele Firmen nach dem passenden Ersatz für den sog. Frischklebeeffekt suchten, präsentierte Butterfly bereits den Tenergy 05. Ich persönlich kann mich noch genau daran erinnern, als ein Vereinskollege an einem Trainingsabend im Frühsommer 2008 mit breitem Grinsen in der Trainingshalle erschien. Er erzählte mir, dass er endlich einen gleichwertigen Ersatz für das Frischkleben gefunden hätte. Ich antwortete zuerst gar nicht. Ich konnte nur müde lächeln, da ich bereits viel getestet hatte und auch sonst noch sehr skeptisch gegenüber dem Ende des Frischklebens eingestellt war. Im Verlauf des Trainings hatte ich selbst die Möglichkeit den neuen „Wunderbelag“ zu spielen. Die ersten Ballwechsel waren eine Katastrophe. Ein frischgeklebter Carbo Sound ist doch etwas anderes. Doch nach ein paar Minuten hatte ich mich etwas an das merkwürdige Spielgefühl gewöhnt und wollte den Schläger gar nicht mehr aus der Hand geben. Und so ging es vielen.

 

Rasante Verbreitung

Tenergy Schwämme und Noppen
Tenergy Schwämme und Noppen

Rasant verbreitete sich der Hype um das neue Material von Butterfly, trotz eines schon damals stattlichen Preises. Dies lag vor allem daran, dass die Konkurrenz aus dem Lager ESN zu dieser Zeit noch keinen vernünftigen Ersatz bereitstellen konnte. Es sollte später durch die Belagreihen wie Genius, Hexer, Baracuda, uvam. nachgeholt werden. Zudem war die Leistungsfähigkeit beeindruckend. Noch heute steht der Mythos des unplattbaren Tenergy´s. Und tatsächlich lässt sich mit einem optisch total abgespielten Tenergy noch vernünftig Tischtennis spielen, wobei dieser natürlich nicht vergleichbar zu einem neuen, frischen Belag ist.

 

Butterfly Tenergy seit 2011

Bis zur deutlichen Preiserhöhung von Butterfly im Jahr 2011 und der Umstellung der Vertriebsart, spielte fast jeder ambitionierte Spieler die Tenergy´s von Butterfly. Eigentlich jeder Profi-Spieler, selbst solche, die unter Vertrag anderer namhafter Tischtennismarken standen und stehen, setzten und setzen auf Beläge der Butterfly Tenergy Reihe.

Tenergy 05 Seitdem hat sich viel getan auf dem Tischtennismarkt. Die Namen Bluefire, Rasant, Vega, Rhyzm und v.a. Evolution beherrschen nun die Materialszene im Amateurbereich. Mit dem Tibhar Evolution wurde auch ein ernsthafter Konkurrent im Profibereich geschaffen. Das Standing des Butterfly Tenergy mit seinen Spieleigenschaften ist ungebrochen, jedoch sind viele nicht mehr bereit den hohen Preis zu zahlen. Geeigneten Ersatz gibt es genug und vor allem billiger. Dadurch ist der Anteil der Spieler, welche Tenergy spielen, deutlich gesunken. War das der richtige Weg, das beste Produkt auf dem Markt zum „allerbesten“ Preis anzubieten? Hat Butterfly den Vorsprung gegenüber der Hauptkonkurrenz ESN überschätzt? Oder hat Butterfly bereits den Tenergy 2.0 in der Hinterhand?

Antworten darauf werden wir wohl auch im Zuge der Einführung des Polyballs bekommen. Erste Testberichte, allerdings mit noch nicht zugelassenen Bällen, hatten ergeben, dass ein Tenergy mit dem neuen Material nicht so gut funktioniert. Es könnte sein, dass der Mythos Tenergy auch im Profibereich ein Ende haben könnte.

Oder hat dieser Mythos gerade erst begonnen?

 

2 Gedanken zu “Der Mythos Tenergy

  1. Jetzt, im August 2016, kann man sagen der Mythos ist ungebrochen. Ein Tenergy hat immer noch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal und alle anderen müssen sich weiterhin an ihm messen lassen. Da auch die anderen modernen Beläge auf dem Weg in die gleiche Preisebene sind (Joola hat ja nun mittlerweile auch mit zwei Belägen die 50-Euro-Marke durchbrochen), macht es den Spielern, die keine großartigen Händlerbeziehungen haben, auch nichts mehr aus für einen Tenergy 5-10 Euro mehr zu bezahlen, wobei doch die Haltbarkeit im Bereich der Highend-Beläge noch immer ungeschlagen scheint. Spieler, die aufs Geld achten und auch Rabatte bis zu 30% auf andere Marken bekommen, spielen aber sicher weiterhin mit den Mitbewerbern.
    2015 war ich bei den hessischen Schülermeisterschaften und musste feststellen, dass die Tenergy-Beläge tatsächlich die Halle dominierten – nicht im Können, sondern in der Anzahl. Hier ist meines Erachtens auch einen Zielgruppe von Butterfly: Die Eltern talentierter Kinder. Und diese Gruppe ist wirtschaftlich nicht zu unterschätzen.
    Nichtsdestotrotz findet man auch auf Kreisklassenebene pro Verein mindestens 2-3 Spieler, die auf den Tenergy schwören und bereits sind einmal im Jahr pro Belag 56,90 Euro zu investieren.
    In jedem Forum ist der Tenergy weiterhin die Messlatte. Von daher wiederhole ich mal meinen Eingangssatz:
    Der Mythos ist weiterhin ungebrochen.

    • Hallo Ditozi,

      danke für deinen Kommentar. Ich muss dir voll zustimmen. Der Mythos lebt und ist noch lange nicht eine Legende.

      Mit dem Tenergy ist Butterfly etwas ähnliches gelungen, wie mit dem Sriver in den 60er Jahren. Heute, acht Jahre nach seiner Einführung, gibt es noch keinen Belag, der einen Tenergy in den Schatten stellt. Festzuhalten ist nur, dass es mit den Tibhar Evolution Belägen nun endlich ernsthafte Konkurrenz gibt, die auch bei höherklassigen Spielern den einen oder anderen Tenergy ersetzt.

      Butterfly hat im Profibereich weiterhin einen Anteil von ca. 50% und daran wird sich so schnell nichts ändern.

      Aber die Zeit wird zeigen, wie lange der Mythos Tenergy uns erhalten bleibt.

      Gruß,

      Marcel

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