Bevor wir mit modernen Tensorbelägen oder zuvor frischgeklebten Klassikern die Tischtennishallen mit einem lauten Klicken oder Klacken zum Beben gebracht haben, waren die Töne im Tischtennissport eher dumpf.
Die traditionellen Noppengummis schepperten aber auch bei entsprechender Schlaghärte. Heute jedoch sind kurze Noppen eine Seltenheit geworden. Die spannenden Zeiten, in denen Penholderspieler mit kurzen Noppen ihre Gegner dominierten, sind vorbei.
Und gerade das macht das Spielen gegen kurze Noppen so schwierig. Während langen Noppen und Antispin Belägen eher harmlos im Angriffsspiel wirken und man das Geschehen mehr oder weniger in den eigenen Händen hält, setzen kurze Noppen einen Spieler deutlich mehr unter Druck. Und wenn einem nicht klar ist, wie gegen sowas zu spielen ist, wird man schnell von der Platte gefegt.
Die Stärken der kurzen Noppen
Ich wünschte manchmal, diese Tipps schon vorher gehört zu haben. Nun musste ich es über die Jahre mit Erfahrungen am eigenen Leib spüren. Die erste Lektion ist, dass der gewöhnliche kurze Noppen Spieler keine Probleme mit Spin hat. Die kurzen Noppen neutralisieren besonders gerne langsame, spinreiche Topspins. Wenn man also so wie ich früher gegen die Dinger langsam und sicher angezogen hat, wird der kurze Noppen Spieler dich über die ganze Platte schicken, bis du einen Fehler machst.
Dadurch dass der Spin herausgenommen wird, landet der Ball beim Anziehen, sofern das Schlägerblatt nicht geschlossen wird, hinter der Platte. Durch die abtauchende Flugkurve des spinlosen Balls kann auch nicht zu spät nachgegangen werden, da der Ball ansonsten wiederum im Netz landet. Unterschätzen würde ich auch nicht den Flattereffekt, wenn etwas Sidespin deinerseits ins Spiel gekommen ist, was es nochmals schwieriger macht, gut anzugreifen.
Es hat aber auch viel mit der Länge des eigenen Topspins zu tun. Kommt der Noppenspieler bei zu kurzen Topspins über den Ball, kann er dich dominieren. Das ist ganz wichtig und zum Verständnis der später zu nennenden Schwachstellen der kurzen Noppen zu beachten.
Wer jetzt aber glaubt, dass halt ein passives Spielen gegen die kurzen Noppen sinnvoll ist, wird entsprechend enttäuscht. Kurze Noppen lieben deinen Unterschnitt. Denn dies ist der Oberschnitt des Gegners, den er durch seine schnittunanfälligen kurzen Noppen einfach weitergibt. Gute Spieler knallen deine starken Schnittbälle einfach weg.
Im Grunde ist das aber nicht die größte Stärke der kurzen Noppen. Denn oftmals spielen gerne Vorhand-dominante Spieler mit guten Aufschlägen eine kurze Noppe auf der Rückhand. Denn das ungewohnte Zögern deinerseits ermöglicht es, eigene Angriffssequenzen gut vorzubereiten.
Typischerweise halten diese Spieler die Bälle sicher mit der Rückhand, parieren deine planlosen Angriffe und Umlaufen die Rückhand, sobald du unsichere, vor allem zu kurze und hohe, Schläge machst.
Gibt es dann überhaupt Schwächen?
Nach dieser förmlichen Machtdemonstration scheint es das Allheilmittel für Spieler zu sein, die nicht mit Schnitt umgehen können und eine beispielsweise schwache Rückhandseite ausgleichen wollen. Doch wie immer liegt es im Detail der Betrachtung.
Was ich oben beschrieben habe, kann ein guter kurze Noppenspieler vollbringen. Natürlich muss eine kurze Noppe auch beherrscht werden. Viele trauen sich nämlich nicht auf jeden Unterschnittball entsprechend anzugreifen, was Gelegenheiten für dich eröffnet. Und auch nicht jeder kommt mit jedem Spin des Gegners klar, auch nicht ein kurze Noppe.
Jedoch gibt es eine Schwäche, die wirklich eklatant ist. Es sind lange, flache, zumeist spinlose Aufschläge. Aber auch ein Oberschnitt-Rollaufschlag bereitet vielen Spielern mit kurzen Noppen Probleme. Es kommt aber wirklich auf die Länge und Geschwindigkeit an. Bei halbgaren Angaben kann der kurze Noppe Spieler selbst die Initiative ergreifen und den Ball wegdrücken.
Dagegen ist es bei einem gut ausgeführten Rollaufschlag schwierig, dich unter Druck zu setzen. Wichtig ist nun der sog. dritte Ball. Du darfst keinen großartigen Spin erwarten, der dir entgegen kommt. Du hast aber nun die beste Möglichkeit, schnell und direkt auf die Ecken abzuschließen. Ist deine Attacke konsequent genug, kommen die Blocks des Gegners nicht mehr an.
Die zweite Spielidee ist im Anschluss, den Ball selbst über den Tisch zu verteilen und den Abschluss zu suchen, wenn der Ball gut liegt. Meistens bekommt man aber keine bessere Chance als nach einer konsequent schnell gespielten Angabe auf die kurzen Noppen.
Ich habe für mich noch eine zweite Aufschlagvariante entdeckt, mit der ich gegen kurze Noppen hervorragend zurecht komme. Mit dem Tomahawk Aufschlag. Da mir das Flattern des Balls bei dieser Sidespinrichtung nichts ausmacht, kann ich diesen Aufschlag gut einsetzen.
Meistens spiele ich einen Tomahawk Aufschlag mit Side-Oberspin tief in die kurze Noppen Rückhand. Durch den Aufschlag kann der Gegner nur passiv gegen den Ball gehen und ich kann gleich mit einem schnellen Topspin abschließen. Es gibt auch kurze Noppen Spieler, die solche Aufschläge gerne mit einer abrollenden Unterschnittbewegung annehmen. Manche können das sehr flach und durch den Sidespin recht gefährlich.
Dann spiele ich gerne in Variation einen Side-Unterschnitt auf den Körper. Wenn der Gegner nun drunter geht, springt der Ball hoch ab und ich kann danach den Ball versenken.
Jetzt habe ich einige Schwächen identifiziert und bei eigenem Aufschlag Lösungen gefunden. Doch was mache ich, wenn der Gegner Aufschlag hat? Ich versuche das gleiche Prinzip anzuwenden.
Rückschläge sollten lang und am besten flach gehalten werden, wenn diese in die Rückhand gehen. Gerne auch mit weniger Schnitt. Es sollten mehr Bälle geflippt werden über dem Tisch und in die Tiefe kurze Noppen Seite gespielt werden. Werde ich zurück gedrängt durch einen schnellen Aufschlag, spiele ich Topspins quasi spinlos auf die Noppen. Kurze Noppenspieler wollen oftmals schnell den Punkt machen, überschätzen den Spin und drücken die Bälle ins Netz.
Wenn der Gegner gut aufschlägt und ich nur passiv agieren kann, dann lege ich den Ball zunächst in die kurze Vorhandseite. Das stört den Rhythmus. Denn die meisten Spieler mit kurzen Noppen sind es gewohnt, den Ball zuerst mit der Noppe zu spielen und danach mit der Vorhand abzuschließen. So bringt man viele zu leichten Fehlern im Spielaufbau.
Allgemein gilt auch: Locker vorbereiten, fest abschließen. Was ich damit meine ist auch mit dem tatsächlichen Griff des Schlägers verbunden. Wer zu sehr verkrampft seine Schläge ansetzt, was man manchmal gegen viel Spin tun kann, wird den Ball gegen kurze Noppen zu leicht ins Netz oder hinten raus befördern. Früh den Ball nehmen, locker über den Ball gehen und auf gar keinen Fall Rotation forcieren bilden den Schlüssel zum Erfolg.
Wer hingegen über den Ball kommt und Druck aufbauen kann, sollte fest und direkt abschließen. Trockene Schüsse sind bevorzugt einzusetzen. Zumindest sollte der Topspin mit eher kurzen Bewegungen gespielt werden.
Moderne Angreifer, moderne kurze Noppen
Ich denke meine Erfahrungen treffen auf Kreisliga- oder Bezirksliganiveau zu 100% zu. Dort wird ein vergleichsweise langsames Tischtennis mit vielen Fehlern gespielt. Doch wie wirkt sich das Spielen mit kurzen Noppen in höheren Klassen oder gar in der Weltspitze aus?
Die Antwort ist ganz simpel: Es gibt quasi keine erfolgreichen Spieler mit kurzen Noppen. Eher noch im Damenbereich, beispielsweise Mima Ito oder Han Ying, bzw. einige Penholderspieler. Aber so wirklich durchsetzen wird sich das Konzept nicht mehr.
Denn mit kurzen Noppen ist man sehr eingeschränkt, was die eigenen Spielaktionen betrifft. Und durch die Regeländerungen wie mit dem Plastikball fehlt das gewisse gefährliche Etwas.
Gleichsam haben es auch moderne kurze Noppen Beläge schwer. Denn die noch vorhandenen Stärken wie das spinlose Blocken oder im allgemeinen die geringe Schnittanfälligkeit werden zum Preis von mehr Tempo und eigenen Spin/Griffigkeit abgeschwächt, ohne zugleich an die modernen Noppen-Innen Beläge heranzukommen.
Mein Fazit zu den kurzen Noppen
Nach all den Jahren werden immer noch Noppengummis gespielt. Allerdings sind diese, ähnlich wie die klassischen Tischtennisbeläge, eine Nische geworden, in die sich Spieler hineinbegeben, welche mit modernen Noppen-Innen-Beläge Schwierigkeiten haben. Kurze Noppen lösen viele Probleme und vereinfachen das Spinspiel. Dies beschränkt allerdings auch die eigenen Möglichkeiten.
Kurze Noppen reagieren eher auf das Geschehen, als das Solchige zu bestimmen. Aber anders als lange Noppen oder Glatte Antis zerstören diese nicht den Spielfluss. Der Rhythmus hingegen muss im Spiel gegen kurze Noppen angepasst werden. Was gut gegen Noppen-Innen Beläge funktioniert kann gegen kurze Noppen einem das Genick brechen.
Wer aber sich gut auf die neuen Gegebenheiten einstellt, wird nach gewisser Zeit keine Probleme mehr haben. Natürlich verliere ich auch noch heute gegen kurze Noppen Spieler. Allerdings nicht mehr wegen des Belagtyps, sondern weil die Gegner einfach besser sind als ich.
Ich hoffe euch haben diese Einblicke weitergeholfen. Gerne könnt ihr eure Erfahrungen auf der einen oder anderen Seite teilen.
PS: Den letzten Beitrag dieser Serie habe ich vor knapp 10 Jahren hier auf dem Blog veröffentlicht. Hoffen wir mal, dass es nicht nochmal 10 Jahre dauert, bis der nächste „geplante“ Beitrag kommt 🙂
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