Schwammstärke eines Tischtennisbelags und dessen Auswirkungen

Jeder Tischtennisbelag hat seine individuellen Eigenschaften. Jeder Tischtennisspieler einen individuellen Spielstil. Doch spielen oftmals zwei Spieler mit grundlegend verschiedenen Techniken und Leistungsklassen „den gleichen Belag“. Liegt es nur am unterschiedlichen Schlägerholz, sodass beide Spieler mit genau diesem Belag zurecht kommen? Oder ist dieser Belag einfach der Alleskönner schlechthin? Mit Sicherheit nicht. Der Grund hierfür, warum beispielsweise ein Allroundspieler auf der Rückhand den gleichen Belag spielen kann wie ein Topspinspieler auf der Vorhand, liegt nicht nur an den individuellen Fähigkeiten oder dem Schlägerholz, sondern auch an der Schwammstärke des Belags.

Tischtennisbeläge und die verschiedenen Schwammstärken

Jeder Tischtennisspieler hat einen roten und einen schwarzen Belag auf dem Schläger. Fast jeder der unzähligen verschiedenen Tischtennisbeläge ist in diesen beiden Farben auch erhältlich. Zudem kann ein Spieler auch die Stärke des Schwammes wählen, welcher unter dem Obergummi verklebt ist. Das Obergummi ist dabei immer gleich. Nur das Obergummi wird bei der Zulassung durch die ITTF berücksichtigt und ob die größte, verfügbare Schwammstärke zusammen mit diesem Obergummi eine Gesamtdicke von insgesamt 4,0mm nicht überschreitet. Doch warum dieser Aufwand?

Je dicker der Schwamm, desto mehr Tempo und Katapult

Die Schwammstärke beeinflusst die Spieleigenschaften des eigentlich gleichen Belages erheblich. Der Schwamm wirkt wie ein Trampolin auf dem Schlägerholz. Eine größere Schwammstärke sorgt für einen größeren Katapult. Zudem wird der Ball dadurch schneller beschleunigt, die Geschwindigkeit nimmt stark zu. Wäre die Gesamtdicke eines Tischtennisbelages nicht begrenzt, so könnte ein viel schnelleres Spielmaterial verwendet werden. In den 1950er Jahren nutzten viele Spieler genau diese Eigenschaften aus. Sie belegten ihre Hölzer mit manchmal bis zu 2cm dickem Schaumstoffgummi. Ein Nebeneffekt der enormen Tempo- und Spinmöglichkeiten dieser Beläge war, dass der Schlag selbst nicht mehr zu hören war, was beim schnellen Spielen Koordinationsprobleme verursachte. Im Jahr 1959 wurde daraufhin die maximale Dicke eines Tischtennisbelages seitens der ITTF begrenzt und dickere Beläge verboten.

Rotation und Ballflugkurve in Abhängigkeit der Schwammstärke

Nicht nur das Tempo nimmt zu, sondern auch die Spinmöglichkeiten steigen je höher die Schwammstärke gewählt wird. Beim Auftreffen des Balles dringt der Ball tiefer in den Belag ein, wodurch mehr Spin generiert wird. Auch verlässt der Ball den Schläger in einem steileren Winkel. Der Ball fliegt insgesamt höher und weiter. Bei passiven Bällen sind dünnere Beläge im Vorteil, da der Spin nicht so stark angenommen wird und der Ball linearer den Schläger verlässt.

Schwammstärke und Schlägerholz

Beim Schlagen wird auch deutlich, dass sich das Gesamtgefühl mit einem dünneren Schwamm im Vergleich zu einem dickeren Schwamm unterscheidet. Zunächst entsteht durch die geringere Geschwindigkeit das Gefühl, dass mehr Kontrolle über den Ball vorhanden ist. Ich bin immer sehr vorsichtig von Kontrolle zu sprechen, was ja sehr subjektiv ist, aber je dünner der Schwamm eines Belags, desto weniger Tempo und Katapult, desto weniger fliegen die Bälle bei ungenauem Balltreffpunkt hinten raus. Auch ist, wie oben schon erwähnt, die Flugkurve flacher/linearer und dadurch besser steuerbar.

Auch wirkt ein dünner Belag härter als ein dickerer Belag, da beim Auftreffen des Balles, besonders bei harten Schlägen, der Ball eher auf das Holz durchschlägt. Dadurch erkläre ich mir auch die niedrigere Flugkurve. Bei weichen Belägen ist die Ballflugkurve ebenso flacher als bei härteren Belägen, da der Ball bei weichen Belägen auch eher auf das Holz durchschlägt. Der Effekt ist der gleiche.

Doch welche Schwammstärke soll ich wählen?

Das kann ganz unterschiedlich sein. Schließlich gibt es ja auch andere Abhängigkeiten wie Spielstärke, Technik, Schlägerholz, Belaghärte, welcher Belag usw.

Grundsätzlich spielen Tischtennisspieler auf der Vorhandseite dickere Beläge als auf der Rückhandseite. Manchmal auch beidseitig die gleiche Schwammstärke. Es kommt eher selten vor, dass der Rückhandbelag dicker gewählt wird als die Vorhand.

Hier habe ich mal eine kleine Übersicht erstellt, welche Schwammstärken grundsätzlich welcher Spielausrichtung zugeordnet werden können:

Schwammstärke eines Tischtennisbelages und die Einordnung für die Spielausrichtung
Schwammstärke eines Tischtennisbelags und die Einordnung für die Spielausrichtung

 

Fazit

Vorteil dünnerer Schwamm: Mehr Kontrolle, kontrolliertes Tempoverhalten, passives Spiel (weniger spinanfällig), Ausgleich von schlechtem Balltreffpunkt, weniger Katapult, Gewicht (leichter)

Vorteil dickerer Schwamm: Mehr Tempo, mehr Katapult, mehr Spin, gefährlicher im aktiven Spiel, höhere Ballflugkurve beim Topspin (weniger Fehler)

 

Noch ein Tipp am Ende. Wählt eure Schwammstärke lieber etwas dünner. Ich weiß, man muss mehr tun. Aber viele Tischtennisspieler scheitern oftmals an einem zu schnellen Spielmaterial. Nun gut, dies ist letztendlich eine persönliche, individuelle Entscheidung. Mehr als sagen kann ich es nicht 😉

 

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