Tibhar Genius – Die altbewährte Spinmaschine im Test

Wenn es einen Tischtennisbelag gibt, über den ich viel erzählen kann, dann über den Tibhar Genius. Schließlich setze ich schon seit einiger Zeit auf die Belagneuheit von 2009.

In letzter Zeit wurde ich oft gefragt, warum ich nicht moderne Beläge wie einen Aurus Prime oder Tibhar Evolution MX-P spiele. Schließlich hat sich einiges seit der Zeit getan, als die Tischtennisfirmen versuchten, einen ebenbürtigen Belag zum Butterfly Tenergy 05 herzustellen.

Die neue Ausrichtung geht ganz klar darin, dass die Tensoren einen eigenen Weg gehen. Und mit dem Aus des Zelluloidballs wird viel experimentiert.

Zuletzt haben die Beläge mit extradickem Schwamm und dünnem Obergummi die Runde gemacht. Aurus Prime, Donic Bluestorm, andro Rasanter oder nun auch Joola Rhyzer sollen die Antwort auf den Verlust von Tempo und Rotation sein.

Aber selbst jetzt sehe ich der Zukunft gelassen entgegen. Ich komme nun auch mit dem Plastikball (oder vielmehr mit den Plastikbällen – Mit oder ohne Naht, ABS oder kein ABS usw.) gut klar.

Daher sehe ich keine Notwendigkeit zu wechseln. Zumindest nicht aus Zwang, bedingt durch den Plastikball.

Ich werde euch nun ein wenig den Tibhar Genius vorstellen. Die meisten kennen den Belag zwar schon. Aber anders als bei normalen Testberichten kenne ich wirklich alle Feinheiten des Genius bis ins kleinste Detail. Auch wie lange der Belag wirklich hält, wie dieser sich verändert und die großen Stärken, wie auch Schwächen des Belags.

Technische Eigenschaften des Tibhar Genius

Beim Erscheinen des Genius waren Poren in den Schwämmen noch relativ neu. Zuvor hatte nur die Tenergy Serie so etwas zu bieten.

Im Vergleich mit moderneren Belägen wirken diese ziemlich fein. Bedenkt man die großen Poren der Evolutions oder des neuen Xiom Omega VII Pro, ist das nicht verwunderlich.

Der Schwamm ist ansonsten gelb und mittelhart (47,5°). Extravagante, bunte Schwämme kamen erst später mit den Rasant (grün) und Bluefire (blau) Belägen.

Das Obergummi ist auch anders konzipiert worden. Auf wenig Abrieb sagt die Beschreibung. Ich finde einfach sehr robust und nicht so extrem elastisch, wie das bei neueren Belägen gestaltet wird.

Die Haltbarkeit ist daher sehr gut. Selbst bei sehr intensivem Gebrauch halten die Beläge recht lange. So nach ca. 3-4 Monaten lassen diese aber nach. Dann wechsel ich meistens die Beläge aus, obwohl noch mehr Spielstunden möglich wären.

Das Gewicht des Genius ist recht durchschnittlich im Vergleich zu anderen medium-harten Tensoren. In 2,0mm wiegen die Beläge mit Verpackung zwischen 90-93g. Geschnitten auf mein Primo sind es 46-47g. In Max. hatte ich mal einen mit 49g aufgeklebt.

Spieleigenschaften des Tibhar Genius

Beim Einspielen besitzt der Tibhar Genius ein gutes Grundtempo. Der Belag wirkt dabei recht katapultarm, aber dynamisch. Darin ist die Belaggeneration um Tenergy 05, Donic Baracuda, andro Hexer oder Xiom Vega Pro recht ähnlich.

Wenn ich einen Tibhar Evolution MX-P oder Xiom Omega VII Pro hingegen heran ziehe, wirkt der Genius, zumindest bei normalen Konterschlägen, recht langsam.

Topspins

Im Spinspiel ist der Tibhar Genius einfach zu Hause. Bei Eröffnungstopspins wird eine sehr hohe Ballflugkurve erzeugt. Diese reicht zwar nicht ganz an einen Donic Baracuda oder Butterfly Tenergy 05 heran, bietet aber ein extrem großes Trefferfenster.

Vor allem auf Unterschnitt kann aus allen Lagen sehr variabel angezogen werden. Die Rotationsentwicklung ist sehr gut und sorgt für viel Gefährlichkeit.

Vorteile des Genius

Im allgemeinen sind Beläge dieser Kategorie recht spinanfällig. Der Genius besitzt jedoch die einzigartige Spieleigenschaft gegenüber den anderen Spinmonstern, mehr Fehler zu verzeihen. Dies trifft bei schlechter Stellung zum Ball oder ungenauem Balltreffpunkt meistens zu.

Die zweite große Stärke ist die Entwicklung einer guten Spindynamik. Ich mache da oft einen Vergleich zum Donic Baracuda. Der Baracuda ist im Spinspiel einfach härter und undynamischer, was mehr eigenen Armzug erfordert.

Genauso verhält es sich mit dem Tenergy 05, der zwar über ein größeres Potential verfügt, was Rotation und Power angeht, aber deutlich schwieriger aktiviert wird.

Und genau diese Spindynamik und das etwas vereinfachte Spielgefühl schätze ich am Tibhar Genius. Beim Gegentopspin und aus der Halbdistanz wirkt der Belag einfach dynamischer und lebendiger.

Nun könnte ich noch den andro Hexer ins Rennen werfen. Aber dieser ist nochmals weicher (Obergummi) und vor allem katapultiger. Zudem gefällt mir der Ballkontakt mit dem Obergummi nicht so gut.

Ballkontakt

Das wird im übrigen auch dem Tibhar Genius und der älteren Belaggeneration vorgeworfen. Wenn überhaupt habe ich etwas Probleme bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit gehabt.

Aber ich weiß, was die meisten damit meinen. Wie die Ballankopplung bei extremen Schlägen wirkt. Und dabei reagiert das Obergummi des Genius anders als Obergummis der neuesten Generation.

Ich würde sagen, dass ein Tibhar Evolution MX-S beispielsweise eine Verbesserung in diesem Bereich aufweisen kann, doch letztendlich ist es eine Technikfrage, wie man auf Spielsituationen im Grenzbereich reagiert.

Was ich aber überhaupt nicht teile, ist die Behauptung, dass die Bälle durchrutschen würden.

Endschläge, Aufschlag und Rückschlag

Bei Endschlägen besitzt der Tibhar Genius eine gute Dynamik und Power. Mehr Durchschlagskraft ist vor allem beim Nittaku Fastarc G-1 oder auch beim Xiom Vega Pro zu finden. Auch gegenüber diesen Belägen nimmt der Genius eine etwas gemäßigtere Position ein.

Im Aufschlagspiel kann, wie zu erwarten, eine sehr gute Rotation erzeugt werden. Ich muss es wissen, schließlich lebe ich vom Spin meiner Aufschläge.

Aber auch hier sei gesagt, dass der Genius nicht das Maß aller Dinge ist. Allein auf den extremen Unterschnittaufschlag bezogen bekomme ich mit dem Nittaku Fastarc G-1 oder Tenergy 05 nochmal eine Portion mehr rein.

Im Rückschlagspiel ist der Tibhar Genius recht schnittanfällig, aber auch katapultarm und kontrolliert. Bei gut eingestelltem Schlägerwinkel bereitet der Belag keine Probleme. Die Steurung der Schlaglänge, besonders das kurze Legen, geht sehr präzise von der Hand.

Gefährlich sind die Bananenflips, mit denen ich viel Punkte im Spiel mache. Diese Schläge kommen recht giftig und unangenehm den Gegnern zum retournieren entgegen.

Blockspiel

Im Blockspiel haben sich aktive Blockbälle für mich zu einer absoluten Stärke mit dem Genius entwickelt. Bei solchen sehr direkt und kompromisslos getroffenen Blocks ist der Belag präzise steuerbar.

Passive Blockbälle sind natürlich der Schwachpunkt. Vor allem in Kombination mit dem hohem Ballabsprung des Primo. Lediglich meine Sidespinblocks, welche ich immer wieder einstreue, zwar mehr zur Not als aus gekonnter Überlegung, funktionieren auch passiv gespielt hervorragend.

Schuss, Ballonabwehr und Schnittabwehr

Im Schussspiel kann ein guter Druck und viel Dynamik entwickelt werden. Ich spiele oftmals eine Art Spinschuss, da ich dabei noch mehr Kontrolle habe und eine Stärke des Genius, den Spin, gleichzeitig nutzen kann.

In der Ballonabwehr kann ich zwar recht gefährlich spielen, aber die Schnittanfälligkeit sucht mich hierbei heim. Im eigentlichen Spielgeschehen komme ich selten in die Ballonabwehr. Und wenn, wird spätestens beim zweiten Schlag zum Gegentopspin angesetzt.

In der Schnittabwehr funktioniert der Genius überragend. Ich kann extrem gefährliche Unterschnittbälle erzeugen.

Fazit zum Tibhar Genius

Nun soll im folgenden erläutert werden, warum ich den Genius spiele. Zu aller erst brauche ich einen spinnigen Angriffsbelag. Mein komplettes Spiel, vom Aufschlag bis zum Endschlag, baut sich über die Rotation auf.

Außerdem ist mir eine hohe Ballflugkurve wichtig. Zu schnelle Beläge oder flache Kurven stehen einfach meiner Schlagtechnik und Spielphilosophie im Weg.

Darüber hinaus brauche ich auch Variabilität. Ich bin nicht der Spielertyp, der immer gleich spielt. Manchmal spiele ich extrem schnell, manchmal krakel ich auch nur hinter der Platte hin un her.

Daher habe ich oft die weicheren Medium-Beläge probiert, die vor allem auf meiner Vorhandseite gut funktionieren (Xiom Vega Japan, Tibhar Evolution EL-S, oder aktuell den Xiom Omega VII Euro).

Bei all den Rotationseigenschaften ist es mir ebenfalls wichtig, gut aus der Halbdistanz agieren zu können. Beläge wie der Donic Baracuda oder Tenergy 05 funktionieren bei mir aber nur in Tischnähe einwandfrei, während in der Distanz etwas Eigenleben fehlt.

Ich habe also mit dem Tibhar Genius einen Belag für mich entdeckt, der, trotz seiner offensichtlichen Eigenschaften (Spin, hohe Ballflugkurve), mir gleichzeitig das richtige Spielgefühl bietet.

Daher kann nicht von dem besten Tischtennisbelag überhaupt geredet werden. Sondern von dem, momentan, besten Tischtennisbelag für MEIN SPIEL.

Wenn lediglich die großen Stärken betrachtet werden, schneidet der Genius sogar hinter den vergleichbaren Spinmonstern um Butterfly Tenergy 05, Donic Baracuda, Nittaku Fastarc G-1 oder Xiom Vega Pro ab.

Kontrollierter, variabler oder spindynamischer ist der Genius trotzdem. Auch objektiv.

Die Unterschiede zu den genannten Belägen sind aber vergleichsweise gering. Würde ich die Evolution Belagreihe, den Aurus Prime oder Xiom Omega VII Pro zum Vergleich heran ziehen, so müsste ich noch einige Worte mehr verlieren.

Ich hoffe euch hat der Retrotest gefallen. In naher Zukunft werden noch einige weitere folgen 😉 Für Vorschläge bin ich offen 🙂

Tibhar Genius
90.3 / 100 TT-SPIN
42.90€Preis
Medium-HardHärte
TensorTechnologie
OFFEignung
Pros

✓ Rotation

✓ Eröffnung auf Unterschnitt

✓ Spindynamisch
Cons

✗ Spinanfällig im passiven Spiel

✗ Etwas weniger Spin/Kurve (T05, Barcuda) oder Power (Vega Pro, Fastarc G-1) als Vergleichbeläge
Zusammenfassung
Spindynamischer, rotationsstarker Topspinbelag, der über eine hohe Ballflugkurve und variable Angriffseigenschaften verfügt.
Spieleigenschaften91
Qualität/Haltbarkeit88
Preis-Leistungsverhältnis92
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